Ein Blick auf Korbach,
aufgenommen im Jahr 1995
 

Es war ein Tag in einem Frühsommer. Die Sonne hatte noch nicht ihrem höchsten Stand am Himmel erreicht, tauchte aber schon das junge Blattwerk der großen alten Buchen, die ihre gewaltigen Äste weit oben über den Waldboden in alle Himmelsrichtungen ausstreckten, in ein saftiges helles Grün. Der Boden war bedeckt von einem dicken Moosteppich, über dem duzende kleiner Insekten ihre wilden Tänze in der Luft vollführten. An einem Sprössling einer jungen Buche war eine Spinne damit beschäftigt ihr kunstvoll gewobenes Netz zu vollenden. In der Nähe war der kleine Bach zu hören, der sich langsam durch den Wald schlängelte und hier und da sprudelnden und glucksenden Geräusch verursachte, wenn er über Steine floss und die in ihn gefallenen Äste umspülte. Vögel sangen ihre Lieder, während sie in den Baumkronen umherflogen. Ein sanfter Luftzug trug den Duft der letzten verdunstenden Tautropfen, die den unverkennbar würzigen Geruch des Mooses mit sich nahmen, durch den wunderschönen noch jungen Tag.
Doch ich wusste, egal wie perfekt dieser Moment auch sein würde, er würde vergehen und für immer verloren sein. Nichts konnte ihn wieder bringen. Ich konnte ihn nicht einmal mit jemandem teilen, denn ich war alleine und solange sich das nicht änderte, war jede Schönheit der Natur die mir begegnete vergeben und vergangen.
Mit einem tiefen Seufzer noch einmal die duftende Luft einatmend zog ich weiter, in der Gewissheit, dass das was noch vor mir lag alles andere als schön sein würde.

Ich hatte diesen Ort des Friedens und der Stille in den letzten drei Jahren, die ich hier verbracht haben, tief in mein Herz geschlossen. Hier fühlte ich mich zu Hause, das ist etwas was ich sonst von keinem anderen Ort jemals sagen konnte. Nicht einmal in meiner frühen Jugend im Hause meiner Eltern habe ich mich so gefühlt. Ich war schon immer der Außenseiter, egal wie hervorragend meine Leistungen an der Akademie und später im Dienste meiner Heimat waren. Man hat es mich immer spüren lassen, dass ich nicht dazu gehörte. Wobei niemand offen gewagt hätte mir das ins Gesicht zu sagen. So entschloss ich mich eines Tages zu gehen und kam dann schließlich an diesem Ort an, der mehrere Tagesmärsche durch unwegsames Gelände von der nächsten Ansiedlung entfernt liegt. Meine Vorgesetzten hatten mir damals schon gesagt, dass sie mich nicht für immer von dem Dienst an der Heimat freistellen könnten trotzdem hatte ich gehofft, dass der Tag niemals kommen würde, an dem sie mich zurückrufen werden. Vielleicht hatte ich mir in der

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© 2008 by Jens R. Schlömer